VeranstaltungIst die Zeitung tot?

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Ist die Zeitung tot?

Beim Publizistentreffen 2013 ging es um Perspektiven des Print- und Online-Journalismus

Werden Online-Medien die Zeitungen bald komplett ersetzen? Und wer wird in Zukunft noch für Qualitätsjournalismus bezahlen?
 
Auf dem Podium diskutierten Prof. Ulrich Pätzold (Medienwissenschaftler), Dr. Marius Schneider (Chefredaktion Berliner Morgenpost) und Dr. Uwe Vorkötter von der Mediengruppe M. DuMont Schauberg.
 
Tanja Tricarico berichtete für den epd über das Publizistentreffen.
 
In ihrer Meldung fasst sie die Diskussion zusammen und bilanziert: "Bezahlmodelle bei Online-Medien bleiben kontrovers".
 
Berlin (epd). Der ehemalige Chefredakteur der "Berliner Zeitung" und der "Frankfurter Rundschau", Uwe Vorkötter, sieht kaum Chancen, in
naher Zukunft Bezahlmodelle bei deutschen Online-Medien einzuführen.

"Wir haben den Anschluss bereits vor Jahren verpasst", sagte Vorkötter am Freitagabend bei einer Podiumsdiskussion in der Evangelischen Journalistenschule in Berlin. Eine gemeinsame Initiative aller Medienanbieter sei nicht zu erwarten, fügte Vorkötter hinzu, der heute Berater der Verlagsgruppe M. DuMontSchauberg ist.

Auch der Medienwissenschaftler Ulrich Pätzold, bezweifelt, dass künftig für journalistische Online-Angebote bezahlt wird. "Die Menschen haben sich daran gewöhnt, dass Informationen im Netz frei zur Verfügung stehen", sagte Pätzold.
 
Würden Bezahlschranken eingeführt, würde die Reichweite sofort enorm sinken. Journalismus würde zum Kulturprodukt, das immer weniger Menschen erreiche.

Marius Schneider, Mitglied der Chefredaktion der "Berliner Morgenpost", hält den Erfolg von Bezahlmodellen dagegen für möglich. "Wir befinden uns in einer Umbruchphase", sagte Schneider.
 
Die Vielfalt journalistischer Angebote sei an sich ein Wert, für die auch bezahlt werden würde.

Der Springer-Verlag hatte bereits 2010 eine Bezahlschranke für den Online-Auftritt der "Berliner Morgenpost" eingeführt. Seit Herbst 2012 müssen auch Nutzer der Seite welt.de für ein bestimmtes Angebot bezahlen.
 
Schneider verwies in diesem Zusammenhang auf die hohen Nutzerzahlen der Tablet-Ausgaben: "Für das iPad sind Zeitungsmacherqualitäten gefragt."
 
Generell sieht Medienberater Vorkötter eine düstere Zukunft für den Printjournalismus voraus: "Die Zeitung befindet sich in einem Siechtum-Prozess."
Printprodukte, wie man sie heute kenne, gehörten der Vergangenheit an und würden zum Manufaktum-Gut".
 

epd tat et
 

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