EJS-Projekt zu Obdachlosigkeit in Berlin

Obdachlose sind faul? Obdachlose sind nur Männer? Ein Datenjournalismus-Projekt der Evangelischen Journalistenschule räumt mit Vorturteilen auf.

Die 16 Volontärinnen und Volontäre der Evangelischen Journalistenschule haben ein Datenjournalismus-Projekt zum Thema Obdachlosigkeit umgesetzt. Dazu befragten sie Ämter, Hilfseinrichtungen und Verwaltungen. Die verfügbaren Daten flossen auf obdachlosinberlin.de in sechs Teilprojekte ein. Hier thematisierten die Journalistenschüler verschiedene Aspekte der Wohnungslosigkeit. So geht es etwa um die die Finanzierung von Hilfsangeboten oder die Versorgung von Wohnungslosen, wenn sie erkrankt sind.
 
Die Journalistenschüler setzten die Daten durch Grafiken, Fotos, Texte, Videos und Interviews in Zusammenhang. Das Ergebnis: dem User wird ein umfangreiches Bild über Obdachlosigkeit in Berlin vermittelt. Zudem wird mit Vorteilen aufgeräumt. So heißt es etwa immer wieder, dass Obdachlosigkeit männlich sei. Doch die Recherchen der Volontäre zeigen: Auch für rund 2.500 Frauen ist Wohnungslosigkeit in Berlin Realität. Für sie ist das Leben auf der Straße besonders gefährlich - und nicht alle Notunterkünfte sind für Frauen ideal.
 
Die Recherchen waren teilweise schwierig, wie die Journalistenschüler berichten. Denn in manchen Hilfseinrichtungen werden keine Daten erhoben oder nur Obdachlose mit deutschem Pass gezählt. "Solange es in Berlin keine konkreten Zahlen zur Situation Obdachloser gibt", schreiben die Schüler auf der Projektseite, "fehlt auch eine Argumentationsgrundlage für eine zielgerichtete und systematische Hilfe."