In 102 Tagen um die Welt

EJS-Absolventin Christina Felschen ist Webreporterin und Fotografin für "Peace Boat“.

Die japanische Nichtregierungsorganisation "Peace Boat" fährt seit 1983 mit einem Kreuzfahrtschiff um die Welt. Von Yokohama nach Yokohama, über die Chinesische See, den Indischen Ozean, den Atlantik und den Pazifik, um beide Kaps herum.

Fast 1000 Passagiere und 300 Crewmitglieder sind mit "Peace Boat" unterwegs. Auch unsere Absolventin Christina Felschen (8. Jahrgang) ist dabei! Was sie als Web-Reporterin und Fotografin erlebt, berichtet sie alle 14 Tage in ihrer taz-Kolumne „Logbuch“. Für uns hat sie aufgeschrieben, was ihr die Arbeit bei "Peace Boat" bedeutet:

"Letzte Woche sind wir am Mururoa-Atoll vorbeigefahren. Mururoa, Rapa Nui, Punta Arenas, Port Louis – niemals hätte ich gedacht, dass ich mal an solche Orte kommen würde. Winzige Punkte auf der Landkarte, allzu oft übersehen, obwohl sich auch an ihnen Weltgeschichte abgespielt hat oder noch abspielt. Ich weiß noch, wie ich 1995 als Dreizehnjährige einen 'Fuck Chirac'-Sticker auf meinen Schultornister geklebt habe, weil Frankreich seine Atombombentests in Polynesien wieder aufnahm.

Für "Peace Boat" habe ich einen Arbeiter auf Tahiti interviewt. Geld und Abenteuer hatten ihn als 16-Jährigen auf das Atoll gelockt, wo er dann ohne Schutzkleidung Taucharbeiten ausführte. Heute kämpft er für Entschädigungen durch die französische Regierung, bisher erfolglos. Er wirkte uralt, viel Zeit bleibt ihm nicht mehr. Dafür bin ich Journalistin geworden. Für solche Geschichten.

Ich erinnere mich an ein Werbeplakat, dass ich vor meiner Abreise in Berlin gesehen habe: 'Wann haben Sie zum letzten Mal etwas zum ersten Mal gemacht?' Die vergangenen Monate waren für mich voller erster Male. Ausgerechnet in Gandhis erstem Ashram habe ich gesehen, welche Folgen die Gewaltexzesse der Apartheid haben, in Peru habe ich Überlebensstrategien von Straßenkindern gelernt und von Opfern der Pinochet-Diktatur erfahren, wie das Militär Chile bis heute gängelt. Nebenbei bin ich mit rudimentären Japanischkenntnissen zur Bewohnerin eines japanischen Dorfes auf See geworden, mit all seinen Höflichkeiten und sozialistischen Verbindlichkeiten."

Christina Felschen